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Graf Augstein am Meer

Posted by Graf Augstein on 15. November 2015 in Artikel |

Ein wunderbar verregneter Urlaubstag an der Nördlichen See; Hein B. versorgt mich mit selbstangebautem“Legger Friesentee“, bevor er zum täglichen Wattmalen und Deichbegrünen aufbricht. Nach zwei Wochen der Abkehr vom Ritterleben kehrt langsam so etwas wie innerer Frieden ein:
Letzte Nacht habe ich sogar ohne Rüstung geschlafen und meine Kontrollgänge um Heins Torfhütte auf dreimal am Tag begrenzt.
Zum ersten Mal seit Wochen fühle ich sicher vor den Schergen König Aazas und dem Fluch der nölenden Nornen.
Hier wird mich niemand finden!
Bis auf die Brieftaube, die plötzlich zur Fensterluke herein flattert.
Neugierig erbreche ich das Siegel der Weltenlenker und lese die Ankündigung, dass wieder einmal
eine neue, unberührte Welt ihre Pforten geöffnet hat und noch Ritter gesucht werden!
Erstaunlicherweise regt sich kein Interesse meinerseits, eine tiefe Freude macht sich breit: das ist nicht mehr mein Kampf!
Welche Herausforderung kann für mich noch geben?
Alle Geschichten wurden bereits erzählt, alle Abenteuer bestanden:
die Schlacht um Liechtenstein – gewonnen, der Heilige Gral – vor den Feinden der Merowinger in Sicherheit gebracht!
Der ungnädige Graf ist auf dem besten Weg zum inneren Frieden!
Jetzt erst mal ein kleines Schnäppeken, Hein hat jede Menge Rum im Vorratskeller gebunkert!
Mal nachsehen…. Glengoyne, ein 12jähriger Highland Single Malt!
Den kann ich nicht ohne Reverend Marlowe trinken, der immer noch auf Deutsch 13 Glocken läutet
und mit dem Edlen Ashur das Werwolfspiel spielt.
Lieber was anderes… ein Likör aus der Gegend! Vor dem Trinken, nach dem Essen, Küstennebel nicht vergessen…
den trinkt Hein immer beim Krabbenpulen. Was haben wir denn noch… Danziger Goldwasser.
Mit Gold geht alles besser, sogar das Saufen.
Nich lang schnacken, Kopp in Nacken!
Und nicht nur beim Saufen. Kein Ritter, der auch nur einen Funken Ehrgeiz im Leib hat, wagt sich heutzutage ohne Gold in eine Neue Welt.
Allein das Errichten der ersten Burg dauert Tage!
Ohne die hilfreichen Münzen mit der honiggelben Färbung,
die so wunderbar schwer in der Hand liegen und mit diesem satten Klang aufs Burgpflaster schellen,
wenn man einem Spitzbuben mit gezieltem Schwerthieb den Geldbeutel aufschlitzt…
Ohne Gold dagegen wäre man verloren und Mord und Zerstörung wehrlos ausgeliefert.
Nur ein Wahnsinniger würde freiwillig ein solches Abenteuer auf sich nehmen…
Darauf erst mal einen Doppelten: Auf einem Bein kann man nicht stehen!
Etwas regt sich in meinem Hinterkopf. Ein Wahnsinniger oder aber ein unerschrockener Verleger,
der seinen Lesern eins der letzten, noch verbliebenen Abenteuer schuldig ist: ohne Gold den Anfängerschutz überstehen,
und darüber mit unbestechlicher Feder berichten!
Aller guten Dinge sind drei: Leber duck dich!
Schnell ist das Nötigste gepackt, eine Notiz wird mit Kreide auf Heins Latrinentür gekritzelt,
das Pferd gesattelt und in den Marschnebel geritten.
In Richtung Abenteuer! Und ganz gewiss findet sich dort noch so manche andere Geschichte!
Auf bald, liebe Leser!

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