Lyrikpreisträger Graf Augstein präsentiert:

Ode auf ein Burgfräulein

Ein welkes Blatt liegt auf der Zinne,
einst war es einer Rose Teil.
Die Rose gab ich dir zur Minne.
Du nahmst sie an mit frohem Sinne.
Gar heftig traf mich Amors Pfeil.

Nicht leicht wars, deine Gunst zu fangen.
So viele Lieder ich auch schrieb,
die voller Sehnsucht und Verlangen,
mit Worten und dem Versmass rangen-
am Ende stets ein Zweifel blieb:

Wirst du mein Flehen je erhören?
Bin ich auch deiner Liebe wert?
Wie viele Schwüre muss ich schwören,
womit kann ich dich nur betören,
ist es die Feder, ists das Schwert?

Ein schönes Bild aus frührem Sein
kommt immer gern mir in den Sinn:
Wir waren auf Burg Liechtenstein,
du sticktest hold im Kerzenschein;
ein keckes Grübchen auf dem Kinn.

Es war die Ruhe vor dem Beben.
Der Feinde Heer vorm Burgtor stand:
Wir sollten kampflos uns ergeben,
sonst liessen keinen sie am Leben.
Und alles würde abgebrannt.

Derweil du sticktest emsig weiter,
ein Schlachtenbildnis voller Pracht
mit Fahnen, Trommeln, Pferd und Reiter,
in schönsten Farben, froh und heiter
Es war der Sieg in jener Nacht.

Gar manche Welt hab ich durchritten,
zu ernten deiner Minne Lohn.
Bin klaftertief durch Blut geschritten,
hab manches Königreich erstritten,
zu setzen dich auf seinen Thron.

Auf dieser Welt kann nichts sich messen
mit deinem Antlitz, hold und rein.
Hast du auch meiner längst vergessen-
einst hatte ich dein Herz besessen!
Das meine ist auf ewig dein.

Auf dieser Welt kann nichts dir gleichen,
der Wangen Samt, der Brauen Schwung,
das Trippeln deiner zarten Füsse,
die sanften Blicke voller Süsse,
sind jetzt nur noch Erinnerung

Ein welkes Blatt liegt auf der Zinne,
einst war es einer Rose Teil.
Die Rose gab ich dir zur Minne.
Du warfst sie fort mit stolzem Sinne
und brachest auf in grosser Eil.

Du rittest fort in andre Welten,
an einem Morgen grau und kalt.
Dort sollen andre Regeln gelten,
man kann sich einfach so erkälten,
das Land ist weit und ziemlich alt.

Ein Wind kommt auf, er packt das Blättchen,
trägt es an einen andern Ort.
Was nützt das Grübeln, all das Denken,
wenn andere diese Welten lenken.
Die einzge Liebe, sie ist fort…

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