Unser Mittelalter Krimi (Teil 1)


Eine weitere Premiere in der Geschichte von Ritter Heute.
Heute veröffentlichen wir den ersten Teil unseres neuen Fortsetzungsromans.
Ein mittelalteriger Krimi zum Mitmachen – der unbestechliche Graf ermittelt in einem Netz aus Intrigen und Gewalt. Aber lest selbst….
 
 
Der tote Don
Ein ereignisloser Tag neigte sich dem Ende zu. Gerade hatte ich mein linkes Bein zum 16. mal über das Rechte geschlagen, das aufreizend auf der Schreibtischkante lümmelte und grübelte darüber nach, wie oft ich dasselbe mit dem Rechten zuerst getan hatte. Nach meiner Rechnung kamen dafür drei  Möglichkeiten in Betracht; für die schnelle Aufklärung eines Verbrechens nicht gerade die beste  Vorraussetzung.
Als einziger Herausgeber eines mittelalterlichen Boulevardblattes konnte ich mir ein solche Spielereien leisten. Seit der legendäre Achsenkrieg mit einem einseitigen Waffenstillstand zu Ende ging, lief es in der Informationsbranche mehr als flau. Die  Zeit des Gemetzels und der unzähligen Schlachten war eine Goldgrube für uns gewesen. Jetzt hielten uns nur noch Abonnenten und gelegentliche Enthüllungsstorys aus der sogenannten feinen Gesellschaft  über Wasser. 
Und das Wasser stand bereits so hoch, dass ich begonnen hatte, gewisse Dienstleistungen nebenbei anzubieten. Sie wissen schon, solche von der Art, über die man nicht spricht, die gelegentlich am Rande der Legalität verlaufen und bei denen schon mal ein paar Kupfermünzen mehr den Besitzer wechseln. 
Zwar lebte man in diesem Metier nicht ganz ungefährlich, doch es vertrieb die Langeweile. Und falls irgendwelche geheimen Details dabei ans Licht kamen, die besser im Dunkeln geblieben wären oder jemand im Laufe der Untersuchungen versehentlich verstarb, gab es manchmal eine Story für mein Käseblatt als Bonus dazu. 
Als ich zur Abwechslung das rechte Bein  übers Linke schlagen wollte, steckte mein Geschäftspartner, der ehrenwerte da Vinci, seinen neapolitanischen Lockenkopf zur Tür herein. Er war der beste Mathematiker, den ich je hatte und ein begnadeter Organisator.
Leider verplemperte er sein Talent und meine Zeit mit dem Erfinden von nutzlosen Apparaten, die nicht funktionierten und dem Malen von Bildern, die keiner kaufte.
Besonders stolz war er auf sein letztes „Werk“; das Portrait einer Bauerndirne aus seinem Heimatland, die mit ihrem einzigen Gesichtsausdruck, einem dümmlichen Grinsen, darüber hinwegzutäuschen versuchte, dass ihr eine Augenbraue fehlt.
Ich war so unvorsichtig gewesen, ihn darauf hinzuweisen. 
Wochenlang sprach er kein Wort mit mir und versteckte unzählige Zahlendreher in den Geschäftsbüchern, so dass ich gezwungen war, zwei meiner besten Schreibsklaven zu verkaufen, um den Verlust wieder wettzumachen. Ansonsten verstanden wir uns prächtig und zogen abends oft gemeinsam durch die Tavernen, in denen er wegen seiner entwaffnenden Freundlichkeit bekannt war wie ein bunter Hund. Besonders hatten es ihm die Barbaren aus dem Ostgotischen angetan, deren putzigen Dialekt er immer gern und erfolglos nachahmte, was ihm schliesslich den Spitznamen „Icke“ einbrachte. Er öffnete die Tür ein weit genug, um seine Hermelinwams hereinsehen zulassen und machte ein besorgtes „WenndasmalkeinenÄrgergibt“ Gesicht. 
„Edler Graf, jemand wünscht euch zu sprechen….“
 
An dieser Stelle unterbrechen wir kurz die Geschichte und fragen euch liebe Leser, was jetzt passieren könnte? Bis wir zur nächsten Episode kommen, in der der Graf an einem noch nicht näher bezeichneten Ort einen leblosen Körper auf dem Boden findet:
 
War er schwerhörig oder tot? Ich beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen und drehte ihn vorsichtig auf die Seite. Der gute alte „immer einen flotten Spruch auf den Lippen“ Don Ivano. Dem Dolch war es nicht gelungen, jenes Grinsen aus seinem Gesicht zu wischen, das ihn bei den Hofdamen immer so unwiderstehlich gemacht hatte. Ausserhalb seiner Burgmauern der grösste Macho dieser Welten, war er  in Wirklichkeit fest an den Zügeln seines Burgfräuleins, die ihn jeden Tag frische Lupinen zum 5 Uhr Tee mitbringen liess. Ich hatte nichts mehr von ihm gehört, seit er vor ein paar Monaten zu den Habsburgern aufgebrochen war, um ihnen ein Dutzend halbverfallene Burgen in Transsylvanien anzudrehen. Und nun war er tot. Abgesehen von einer zerbrochenen Vase bei seinem ersten Besuch schuldete er mir noch ein Exklusivinterview, das ich jetzt wohl erfinden musste. Schnell durchsuchte ich Ivanos Rocktaschen. Zu Lebenszeiten hatte der selige Don eine Liste von persönlichenLieblingsfeinden mit sich geführt, die immer auf dem neusten Stand war. Ausser ein wenig Silbergeld, einem Zigarrenabschneider und einem Billett für die Oper hatte er nichts bei sich, das mir einen Hinweis geben konnte. Als ich ich mich erhob, konnte ich in seiner linken Faust etwas glitzern sehen und entwand den starren Fingern ein winziges Medaillon mit einem merkwürdigen, heidnisch aussehenden Symbol auf der Vorder- und den eingravierten Buchstaben LOC auf der Rückseite. Ich hatte keine Ahnung, was das Ganze zu bedeuten hatte. Mein Gefühl sagte mit jedoch, dass die Zeit der Langeweile erstmal vorüber war. Wer auch immer diese Tat beging, hatte jetzt eine Verabredung mit mir. Höchste Zeit, das Pferd zu satteln  und an ein paar Burgtore zu klopfen…
 
Und jetzt das zweite Intermezzo: Wie geht es weiter? Wer meuchelte den Edlen Don und warum? Welchem schreckliche Geheimnis kommt der Graf auf die Spur? Eure Vorschläge bitte per mail an zeitungritterheute@me.com oder per PN an Graf Augstein.

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4 Antworten zu Unser Mittelalter Krimi (Teil 1)

  1. gottdesgemetzels sagt:

    Auf jeden Fall sollte eine Frau hereinkommen, die gut aussieht, jede Menge Geheimnisse hat und den Grafen zu coolen Sprüchen verleitet.
    Don Ivano wurde natürlich von einem „Wächter“ umgebracht…

  2. Vision sagt:

    DonIvano hat sich für das reale leben entschieden und wurde sicherlich von keinem Wächter „umgebracht“ !!

  3. Waffenschmied sagt:

    Fakt ist, dass er tot ist. Ob nun irl oder nicht ^^
    Frage ist nur, was für ein Wächter soll es sein?
    Sein Wächter? Ein Wächter des Vaters der geheimnisvollen Schönen?
    Ein Wächter der Achse des Bösen/Guten?
    Oder war es der „Theo, der in uns allen steckt“?

    Ich sehe einen Schwarm schwarzer Krähen, der über den Köpfen derer kreist, welche über den Leichnam des guten Don rätseln. Noch hat keiner das feine weiße Pulver im Gesicht des Toten entdeckt. Noch keiner den feinen Bittermandelgeruch wahrgenommen der aus dem Mund des Toten … ach nein der kam aus der Burgküche …

  4. Pingback: Menschen am Samstag - Ritter Heute

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